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NSI: Sind unbezahlte Domains
Freiwild?
Die weltgrößte Domainvergabestelle, Network Solution, will frei werdende
Domains versteigern / Vorhaben unter scharfer Kritik von Kunden und
Wettberwerbern / ICANN prüft
(26.06.00)
Der größte Registrar der Welt, die Network
Solutions Inc. (NSI) plant die Domainnamen von säumigen Zahlern zu
versteigern. Wie die "Washington
Post" berichtet, erhielten Ende vergangener Woche zahlreiche Kunden
entsprechende Nachricht von dem Unternehmen. Darin wurden die Domain-Inhaber
ultimativ aufgefordert, bis Mittwoch dieser Wocher alle offenen Beträge
komplett zu begleichen. Sonst würden die Domains "in Network Solutions'
neuer Auktions-Seite eingetragen", hieß es in der Mail. "Alle
Einnahmen [aus der Auktion; Anm. d. Red] werden Network Solution zufließen, und
Ihr Domain-Name wird an den erfolgreichen Bieter übertragen", drohte die
NSI weiter.
Kunden und Wettbewerber kritisieren die NSI nun scharf: Der ehemalige
Monopolist dürfe frei werdende Domains nicht versteigern, sondern müsse sie
der öffentlichchen Datenbank zuführen, auf die alle Registrars, die .com-,
.net- oder .org-Domains verkaufen, zugreifen können. Am vergangenen Freitag
wurde offiziell Beschwerde bei der ICANN
(Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) eingereicht. Die ICANN
wacht als oberste Autorität über die Vergabe der begehrten Internet-Adressen.
Bislang äußerte sich ICANN-Präsident Michael Roberts nur vage zu dem Vorgang:
"Es ist eine Frage juristischer Interpretation, unsere Anwälte prüfen den
Fall."
Unterdessen weist die NSI Vorwürfe zurück, mit der geplanten Auktion
Gewinne erzielen zu wollen. Nach Darstellung des Unternehmens sei keine
Versteigerung an den Meistbietende geplant, wie vielfach berichtet wurde.
Entsprechende Gerüchte seien eine bedauerliche Mißinterpretation. Vielmehr
sollen die Domainnamen für exakt die Summe verkauft werden, die an Zahlungsrückständen
aufgelaufen sei. Douglas Wolford, General-Manager der NSI, macht für die
Verwirrung eine zufällig ebenfalls im Juli startende NSI-Auktionsplattform
verantwortlich, auf der Domainnamen tatsächlich gegen Höchstgebote versteigert
werden sollen. "Diese Domains gehören aber den Anbietern und müssen auch
nicht von der NSI vergeben sein, sondern können genauso gut von einer
konkurrierenden Vergabestelle zugeteilt worden sein", sagte Wolfard gegenüber
der Washington Post.
Aber selbst wenn der Preis an die Höhe des Zahlungsrückstandes gekoppelt
ist, sprechen Kritiker der NSI das Recht ab, die Domainnamen zu verkaufen.
Zahlungsrückstände gehörten schließlich zum unternehmerischen Risiko. Wenn
die Domain aus diesem Grunde frei werde, dürfe sich die Network Soltions nicht
an dem zukünftigen Nutzer schadlos halten, selbst wenn dieser dazu bereit wäre.
Noch weniger könne die NSI in den Augen der Kritiker die unbezahlten Domains
als ihr Eigentum betrachten und sie zu eigenen Konditionen - am Wettbewerb
vorbei - verkaufen. "Es ist ein Mißbrauch des Systems", ärgert sich
Elana Broitman, Sprecherin des Konkurrenten Register.com,
"die Namen müssen freigegeben werden". Judith Oppenheimer, President
des Registrars
ICBtollfree.com sieht "ein außergewöhnlich unfaires Verhalten"
im Vorgehen des Konkurrenten: "Die Domains wurden bereits registriert und
haben nun einen höheren Wert." Mit diesen Pfunden wolle der EX-Monopolist
NSI offenbar wuchern.
An der hohen Zahl der unbezahlten Rechnungen sei die NSI zudem selbst schuld,
wird ihr vorgeworfen. In den Zeiten, als sie noch über ein Monopol verfügte,
ermöglichte sie die unverbindliche "Reservierung" von Domains ohne
Vorauszahlung. Zahlreiche Spekulanten machten von dieser Möglichkeit gebrauch.
Anfang dieses Jahres wurde die NSI von der ICANN aufgefordert, sich von diesen
unbezahlten "Altlasten" endgültig zu trennen und wirksame
Zahlungsmodalitäten einzuführen. Aus dem laxen Umgang in der Vergangenheit,
der zum Mißbrauch einlud, dürfe die NSI nun keinen Profit ziehen, sagen die
Kritiker.
(dg)
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